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Krummhörn-Tour: die Radrunde ab Greetsiel durch Warfendörfer und zu zwei Leuchttürmen

Die Krummhörn ist Ostfriesland im Konzentrat: Warfendörfer auf künstlichen Erdhügeln, mittelalterliche Kirchen, zwei Leuchttürme – darunter der berühmte gelb-rote „Otto-Leuchtturm" von Pilsum – und mit Greetsiel der schönste Kutterhafen der Küste. Die rund 43 Kilometer lange Rundtour verbindet all das an einem Tag. Hier die Strecke in drei Abschnitten mit Sehenswürdigkeiten, Tipps und GPX-Quellen.

Westlich von Emden liegt die Krummhörn – eine Marschlandschaft, in der die Dörfer auf Warfen stehen, künstlichen Erdhügeln, die die Bewohner lange vor dem Deichbau vor Sturmfluten schützten. Die klassische Radrunde durch die Region startet und endet in Greetsiel und misst rund 43 Kilometer: topfeben, verkehrsarm und so dicht mit Sehenswürdigkeiten bestückt, dass aus der Tagestour schnell ein voller Tag wird. Praktisch: Seit 2016 gilt in der Krummhörn das niederländische Knotenpunktsystem – wer sich die Nummernfolge notiert, braucht unterwegs keine Karte.

Abschnitt 1: Greetsiel – Pilsum – Manslagt – Groothusen

Start ist an den Zwillingsmühlen, dem Wahrzeichen von Greetsiel: Die eine wurde 1856 erbaut und beherbergt heute eine Teestube mit Galerie, die andere wurde nach einem Brand 1921 wiederaufgebaut und mahlt noch immer. Vor dem Aufsatteln lohnt ein Bummel durch den Ortskern mit seinen Giebelhäusern aus dem 17. Jahrhundert und dem Kutterhafen – Greetsiel beheimatet mit rund zwei Dutzend Krabbenkuttern die größte Flotte der ostfriesischen Küste. Über die Hauener Hooge geht es zum westlichen Ortsausgang und nach Pilsum: Die Kreuzkirche aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem kreuzförmigen Grundriss, dem wehrhaften Charakter, der barocken Kanzel von 1704 und alten Wandmalereien zählt zu den bemerkenswertesten Sakralbauten der Region. Weiter südlich folgen Manslagt – einst Häuptlingssitz, in der spätgotischen Kirche steht ein Taufstein aus dem 13. Jahrhundert – und Groothusen, wo von ehemals drei Burgen die noch heute bewohnte Osterburg erhalten ist, eine dreiflügelige Anlage aus dem 18. Jahrhundert. Tipp: Die Krummhörner Dorfkirchen bergen historische Orgeln von überregionalem Rang – wo offen ist, hineinschauen.

Abschnitt 2: Loquard – Rysum – Campener Leuchtturm

Durch Felder und Wiesen führt die Route über Loquard nach Rysum, einem der schönsten Runddörfer der Krummhörn – das Warfendorf liegt weithin sichtbar auf seinem Hügel; am Ortsrand ist in zwei Gulfhöfen ein Landwirtschaftsmuseum untergebracht. Dann wartet der erste Leuchtturm: Der Campener Leuchtturm ist mit rund 65 Metern der höchste Deutschlands – wer die 308 Stufen zur Aussichtsplattform steigt, wird mit einem Panoramablick über Krummhörn und Wattenmeer belohnt. Tipp: Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück, dann gehört der Blick den Wattflächen und ihren Vogelschwärmen – wer Wasser sehen will, plant den Turmbesuch um die Hochwasserzeit.

Abschnitt 3: Upleward – Windenergiepark – Pilsumer Leuchtturm – Greetsiel

Unterhalb der Deichkrone geht es nordwärts über den Campingplatz Upleward – hier ist auch eine Badepause möglich, allerdings gezeitenabhängig; die Tidenkalender gibt es bei der Touristik in Greetsiel. Landeinwärts drehen sich die Anlagen des Windenergieparks Krummhörn, die moderne Fortsetzung der alten Mühlentradition. Dann folgt das Fotomotiv schlechthin: Der gelb-rot gestreifte Pilsumer Leuchtturm auf der Deichkrone, 1891 erbaut und seit dem Film „Otto – Der Außerfriesische" (1988) bundesweit als „Otto-Leuchtturm" bekannt. Achtung, kleiner Insider: Rund 600 Meter hinter dem Leuchtturm nicht den Abzweig nach Greetsiel verpassen – sonst führt der Weg kilometerweit am Speicherbecken entlang zur Schleuse Leysiel und wieder zurück. Nach gut 43 Kilometern schließen die Zwillingsmühlen den Kreis. Verlängerung für Naturfreunde: Der bewusste Abstecher zur Leyhörn lohnt allerdings – das Naturschutzgebiet an der ehemaligen Leybucht ist ein erstklassiges Vogelbeobachtungsrevier.

Varianten: Kirchturm-Tour und Zwei-Tages-Runde

Wer mehr Zeit mitbringt, fährt die Krummhörner Kirchturm-Tour: Sie verbindet die Krummhörner Dörfer von Kirchturm zu Kirchturm und nimmt zusätzlich die Murmel-Arena in Uttum, historische Windmühlen und die Manningaburg aus dem 15. Jahrhundert in Pewsum mit. Auch eine entspannte Zwei-Tages-Variante ist möglich – etwa mit Übernachtung auf halber Strecke und mehr Zeit für Kirchen, Museen und Teestuben. Familien mit kleineren Kindern kürzen die Runde über die Knotenpunkte einfach ab: Das Nummernsystem macht individuelle Schleifen kinderleicht.

GPX-Daten und Navigation

Die Rundtour ist unter dem Titel „Durch die Warfendörfer der Krummhörn" (Greetsiel – Rysum – Pilsum – Greetsiel) bei Outdooractive und im regionalen Portal grenzenlos-aktiv.de hinterlegt – dort steht der GPX-Track zum Download bereit, alternativ als KML. Vor Ort hilft das Knotenpunktsystem, das sich auch per Fietsknoop-App nutzen lässt; Routenplanung funktioniert zudem über Komoot. Kartenmaterial gibt es in der Tourist-Information Greetsiel. Praktisch für E-Biker: Am Fahrradparkplatz in Greetsiel stehen rund 100 Stellplätze, abschließbare Schränke mit Ladesteckdosen für Akkus und eine Reparaturstation bereit – teilweise überdacht.

Praktische Tipps

  • Beste Basis: Greetsiel ist der ideale Ausgangspunkt mit der größten Auswahl an Ferienwohnungen – in der Hauptsaison früh buchen, der Ort ist begehrt. Ruhiger wohnt es sich in den Warfendörfern der Umgebung, etwa Pilsum, Pewsum oder Rysum.
  • Räder leihen: In der Ferienregion Krummhörn-Greetsiel gibt es zahlreiche Fahrradverleihe – auch E-Bikes.
  • Wind einkalkulieren: Auf den Deichabschnitten weht es kräftig; die Runde lässt sich in beide Richtungen fahren, ein Blick auf die Windrichtung entscheidet über die angenehmere Variante.
  • Einkehr: Krabbenbrötchen am Greetsieler Hafen zum Start, Teestube in der Zwillingsmühle zum Abschluss – stilechter geht ostfriesische Radkultur nicht.
  • Beste Zeit: Frühjahr und Herbst sind ideal – mild, klar und deutlich ruhiger als der Hochsommer, in dem Greetsiel gut gefüllt ist.

Fazit: Die Krummhörn-Tour packt auf 43 Kilometer, wofür andere Regionen eine ganze Radwoche brauchen – zwei Leuchttürme, mittelalterliche Kirchen, Häuptlingsgeschichte und den schönsten Kutterhafen der Küste. Wer nur eine Tagestour in Ostfriesland fährt, macht mit dieser Runde nichts falsch.

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